Weihnachten in Namibia

Pfeffernüsse, Christstollen und Lebkuchen reihen sich aneinander. Aus den Lautsprechern dudelt Weihnachtsmusik. Geschäftig laden immer mehr Menschen ihre Einkaufswägen voll. Man könnte meinen, man befinde sich in Deutschland. Doch tritt man aus dem Supermarkt ins gleißend helle Sonnenlicht, wird man wieder darin erinnert, wo man sich befindet: in Afrika.

Namibia, einst deutsche Kolonie, ist immer noch geprägt von den Deutschen. Dem Europäischen. Und so wird hier auch Weihnachten gefeiert - wie zuhause. Es gibt Weihnachtsmärkte, Gottesdienste in der deutschen Christuskirche und einen Christbaum. Bei diesem handelt es sich allerdings um einen Weißdornbusch aus der Savanne, an dessen langen Dornen geschmückt werden.

Den Geist von Weihnachten spürt man in den Familien, besonders den deutsch-namibischen, wie bei Gunhild und Friedhelm Voigts. Bei ihnen verbringe ich nun schon das dritte Weihnachten unter südlicher Sonne. Sie unterstützen mein Creabuntu-Projekt, indem sie mir großzügig ihre Garagenwohnung zur Verfügung stellen.

Das erste Mal kam ich als Journalistin nach Windhoek, zur »Allgemeinen Zeitung«, einer deutschsprachige Zeitung, die nun seit über hundert Jahren besteht. Anschließend zog es mich zurück nach Namibia, um dort benachteiligten Kindern mit meinem Projekt Creabuntu zu helfen.

An Heiligabend werde ich also mit meiner Gastfamilie in die deutsche Christuskirche gehen und anschließend gemeinsam essen. Am nächsten Morgen verlasse ich dann diese heile Welt der Innenstadt mit ihren von Elektrodraht gesicherten Villen, und fahre ins Township.

In Katutura leben Menschen in Wellblechhütten, die sich wie ein Geschwür an den Rändern der Stadt ausbreiten. Immer mehr Menschen strömen von den Dörfern im Norden in die Stadt, in der Hoffnung auf Arbeit. Katutura erscheint oft größer als Windhoek selbst, wie groß genau, ist schwer zu ermessen. Es besteht aus verschiedenen Vierteln, auch wohlhabenderen Gegenden, mit Stadthäusern.

In Katutura spürt man kaum etwas von Weihnachten. Es ist ein Tag wie jeder andere auch. Es wird in den Bars getrunken, Kinder spielen auf den staubigen Straßen mit alten Autoreifen, Taxis hupen.

 Die Menschen, die in den besseren Stadtteilen des Townships leben, feiern Weihnachten nach europäischer Art, mit kleinen Abweichungen. Meine Freundin Teresia Tunelao Iindongo lebt mit ihrer Familie in Wanaheda, einer etwas besseren Gegend in Katutura. Sie ist Ovambo, und gehört somit zur größten Volksgruppe Namibias.
Sie lebt in Windhuk und fährt mit ihrer Familie jedes Jahr an Weihnachten in den Norden Namibias, nach Ovamboland. Dort leben ihre Verwandten und an Weihnachten wird eine Ziege oder Kuh von den Männern geschlachtet. Die Frauen kochen, anschließend isst man abends  gemeinsam. Doch, in die Kirche gehen sie auch, sagt Teresia. Geschenke gibt es nicht, das komme vom Westen und sie vermisst es auch nicht. Es gehe hauptsächlich um das Zusammensein im Familienkreis. Sie erinnert mich daran, dass Weihnachten nicht in ihrer Kultur verwurzelt ist, und erst mit den Missionaren eingeführt wurde.

Im Stadtteil Ombili (was übersetzt Frieden bedeutet) werde ich

einen Weihnachts-Braai (Grillfest) in der Suppenküche von Samuel Kapepo veranstalten.

Weihnachten bedeutet für mich, Freude zu geben, und beginnt dann, wenn ich am ersten Weihnachtsfeiertag in der Suppenküche von Samuel Kapepo für die Kinder, die auf der Straße oder in Wellblechhütten leben, Würstchen grillen werde. Kapepos Suppenküche befindet sich in einem Gemeindezentrum. Lokale und ausländische Helfer kochen jeden Sonntag und Mittwoch zusammen für die Kinder von Ombili.

Bei sengender Sonne ziehen wir uns also Weihnachtsmützen auf und verteilen Würstchen an Kinder, organisieren Spiele und schenken ihnen den Geist von Weihnachten.

Spielerisch geht es nach den Feiertagen weiter. Das Projekt Creabuntu startet im Bernard Nordkamp Center, anschließend geht es in der Dr. Frans Indongo Schule weiter. Theater-Wokshops und bildende-Kunst Workshops beginnen. Creabuntu konnte ein kleines Budget zusammen bekommen, mit dem wir Essen und Kunstunterricht für drei Monate finanzieren können. Meine Freundin Teresia, die derzeit Theater an der Universität von Namibia studiert, wird mich dabei ebenfalls unterstützen. Ihr »Theatre for  community development« Projekt brachte ihr bereits einige Erfahrungen ein. Das Ziel ist es, durch Gespräche und Übungen die Probleme der Kinder des Townships herauszufinden, diese in einem Stück auf die Bühne zu bringen und es schließlich vor Eltern, Lehrern und Schülern aufzuführen. So kann man Probleme sichtbar machen und Lösungen erarbeiten.

 

Ich werde einen wöchentlichen Bericht schreiben, welchen man auf www.creabuntu.de lesen kann.

Das Spendenkonto des Projektes läuft über: Tangeni Shilongo  e.V.

Stichwort: Creabuntu

 

Kölner Bank eG | DE04 3716 0087 5730 5710 05